Konstantin Schad - Snowboardcross Olympionike 2010 im Interview
Konstantin Schad ist einer "unserer Jungs" in Vancouver. Eine Olympia Hoffnung und einer, der ganz sicher viel mit Hans Riesch zu Themen wie Freeriden und SBX zu sagen hat:-). Hans Riesch ist Assistenztrainer für Snowboardcross beim Snowboard-Verband Deutschland (SVD).

Hansi Riesch

Hansi Riesch in Peru

Snowboardcross - schwer auf dem Vormarsch
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Das ist SBX:
2006 wurde Snowboardcross, kurz SBX, für die Olympischen Spiele als dritte Snowboard-Disziplin aufgenommen. Vier Fahrer starten gleichzeitig gegeneinander auf einer Abfahrtstrecke, die mit anspruchsvollen Schanzen, Kurven, Senken und weiteren Herausforderungen gespickt ist. Zwei steigen in die nächste Runde auf. Die Kombination aus enger Streckenführung mit direkten Duellen macht die Wettkampfform attraktiv für Zuschauer. Außer Konstantin startet in Vancouver für Deutschland noch David Speiser in dieser Disziplin.
Hansi, fürs SBX muss man technisch sehr vielfältig sein, kannst Du kurz erklären, welche Fähigkeiten gefordert sind?
Hansi: Im Grunde muss man ein kompletter Snowboarder sein. Sollte sich in der Luft bei Sprüngen und in schnellen Passagen wohlfühlen und auch eine solide Kurven- und Carvingtechnik sein eigen nennen. Und man sollte ein sog. wilder Hund sein, wenn es im Race Mann gegen Mann geht. Deshalb ist auch das Training sehr abwechslungsreich gestaltet. Vom Halfpipefahren über Klettern, spezifisches Snowboardcrosstraining bis zum Ausdauertraining auf dem Rennrad und MTB.
Welche Plätze strebt Ihr bei den Olympischen Spielen an?
Hansi: Wir als Snowboardcrosser stellen uns als Minimalziel eine Top 10 Platzierung vor, die wird sportpolitisch von uns auch gefordert. Von ihrem Leistungsniveu her ist bei den Jungs auch mehr drin, bis zum Podestplatz. Jedoch muss man beim Snowboardcross auch immer eine Portion Glück haben, da es auf der Strecke immer recht eng zugeht. Jeder will als erster durchs Ziel.
Konsti, Du scheinst ein Mann mit guten Nerven zu sein. Trotz Verletzungspech in 2008 und der zuletzt verpassten Qulifikation für die Top-16 in der Gesamtweltcupwertung hast Du Dein Ziel „Olympia 2010“ nie aus den Augen verloren. Dann hast Du die letzte Chance im Januar beim Weltcup im kanadischen Stoneham genutzt und Dich haarscharf für Vancouver qualifiziert. Alle fieberten mit Dir, erzähl mal…
Konstantin Schad: So gut waren die Nerven dann gar nicht mehr. Ich hab zwar bestens gegen den ganzen Psycho-Jazz gekämpft und es ging mir dann eigentlich ganz o.k., aber es stand schon einiges auf dem Spiel. Die halbe letzte Saison bin ich mit gerissenem Meniskus gefahren, um nicht den Anschluss zu verlieren und diese Saison kam während der Qualifikationsphase wieder ein Haufen Pech dazu. Ich hatte so viel investiert, dass es einfach nicht anders ging als sich zu qualifizieren und das habe ich letztendlich durchgezogen!
Hast Du Tricks gegen Nervosität bzw. um mit dem Druck umzugehen?
Konsti: Als es dieses Jahr nach dem vierten von fünf Quali-Rennen eng wurde, hat mein Augenlied vor lauter Stress anfangen die ganze Zeit zu zucken. Nach der schweren Rückenprellung mit drei kaputten Wirbeln in Veysonnaz war es wohl die logische Konsequenz, dass die Nerven mit mir durchgegangen sind. Das einzige, was geholfen hat, war sich vorzustellen, den ganzen Februar dann eben einfach powdern und Park fahren zu gehen, wenn es nicht mit Olympia geklappt hätte. Aber ganz ausblenden lies es sich nicht und es ist mir so schon um einiges lieber.
Kann es sein, dass Du in einem Heat gegen Deinen Teamkollegen David Speiser antreten wirst? Was ist das für ein Gefühl?
Konsti: Ja das kann immer sein. In meinem Fall ist das aber eher ein Vorteil. Erstens weiß ich nach all dem gemeinsamen Training wie der alte Mann so tickt und wo er gefährlich ist. Außerdem sind wir schon ein paar Heats zusammen gefahren und im Moment bin, statistisch gesehen, ich mal wieder mit Gewinnen dran. Da gibt’s dann auch kein Mitleid :-)
Wie ist die Olympia-Teilnahme in der Szene angesehen, da gabs in der Vergangenheit ja unterschiedliche Ansichten.
Hansi: Olympia ist inzwischen sehr angesehen, Anfangs gab es in der Disziplin Halfpipe einige, die das boykottierten. Mittlerweile sind aber wirklich die besten Rider der Welt dabei. Im Snowboardcross ist es DAS Race.
Konsti: Die olympischen Spielen sind als einziger FIS-Snowboardevent zu 100% akzeptiert und bei den Snowboardcrossern und den Alpinen ist das nicht so abwegig wie bei den Freestylern. Aber obwohl z.B. die meisten amerikanischen Halfpipefahrer den FIS-Weltcup die meiste Zeit boykottieren, tauchen immer so circa ein Jahr vor den olympischen Spielen alle Größen auf und wollen mitmachen.
Snowboardcross ist für ein breites Publikum spannend. Es ist einfach zu verstehen – der schnellste in einem Heat gewinnt - , es gibt spektakuläre Überholmanöver, weite Sprünge und das Blatt kann sich noch auf den letzten Metern wenden. Wie siehst Du die Präsenz des Sports derzeit in Deutschland?
Hansi: Sehr schlecht. Das muss man sagen. Ein großes Problem daran ist, dass Snowboarden bei der breiten Masse nicht als Leistungssport betrachtet wird wie z.B. Biathlon. In der „echten“ Snowboardszene sind die Wettkämpfe der FIS kaum angesehen und akzeptiert. Am deutlichsten sieht man das in den Halfpipe Contests der FIS, bei denen nur recht wenige der weltbesten Rider starten, da es eine alternative Wettkampfserie, die der TTR, gibt die mit attraktiveren Veranstaltungen aufwartet, bei denen es mehr an Prestige und Preisgeld zu holen gibt.
Im SBX gibt es nur die Rennserie der FIS, darum starten auch alle guten Rider dort, und die Wettkämpfe sind vom Leistungsniveau und den Strecken richtig gut. In Deutschland konkurrieren wir aber gegen eine Menge anderer Sportarten in der die Deutschen regelmäßig Medaillen holen (Biathlon, Bob, Ski Alpin Frauen). Da ist es schwer, Sendezeit und Aufmerksamkeit zu bekommen. Der Erfolg bei internationalen Großveranstaltungen ist wichtig, um die Aufmerksamkeit zu bekommen, die die Sportart auch verdient hat.
Was ist das größte Problem des Snowboardens als Wettkampfsport in Deutschland?
Hansi: Es gibt so gut wie keine breite Nachwuchsförderung. Wir haben letztes Jahr begonnen, einen Nachwuchsstützpunkt im Allgäu zu installieren um dort talentierte und motivierte Jugendliche optimal zu fördern, inklusive Stützpunktrainer und angeschlossenem Internat. Auch für die PGSler gibt es das in Berchtesgaden schon seit einigen Jahren und es funktioniert auch ganz gut, siehe Amelie Kober und Co. Dort sind wir gut aufgestellt. Das eigentliche Problem liegt noch tiefer. Es gibt so gut wie keine Vereine die in der Snowboard Nachwuchsarbeit tätig sind (Ausnahme z. B. SC Miesbach). Dort fehlt uns die breite Basis an Kindern und Jugendlichen. Im Snowboardcross sind in Deutschland etwa 20 – 25 Athleten vom Jugendlichen mit 13 Jahren bis zum Olympiastarter aktiv. Wenn man dann sieht, dass wir immerhin zwei Starter bei den Spielen haben ist das ein guter Schnitt, aber doch noch sehr ausbaufähig. Snowboarden ist ein attraktiver Sport, man muss den Kids nur zeigen, dass man im Snowboarden recht schnell in einer Nationalmanschft landen kann, dass sie eine Perspektive haben. Aber dazu braucht es engagierte Menschen die diese Sportart in Deutschland weiterbringen wollen.
Hansi, Du bist auch bekannt als entspannter Freerider, der immer wieder neue Snowboardziele entdeckt, ob beim Zelten mit Knarre in Spitzbergen, auf 5000ern in Peru, auf dem höchsten Berg Europas, dem Elbrus oder in Kombination mit einer Segeltour auf den Lofoten. Wie betrachtest Du den Wettkampf-Zirkus rund um die Olympischen Spiele?
Hansi: Das ganze Wettkampfgeschehen rund um die Olympischen Spiele hat sich schon sehr zugespitzt. Fast alle Starter aus fast allen Nationen benötigen irgendeinen Startplatz, irgendeine Quote und so sind die Races in der Olympiasaison schon eine Nummer härter als sonst. Es wird um jeden Zentimeter gekämpft. Das beginnt natürlich auch schon in der Vorbereitung im Sommer und Herbst. Alles ist ein wenig intensiver, man versucht alles auszureizen. Der Druck auf die Rider ist sehr hoch und so lässt sich auch nicht immer die Leistung abrufen, die sie eigentlich bereit wären zu geben.
In all diesen Punkten unterscheidet sich das ganze natürlich auch erheblich vom „Freeriden“ ohne Druck und Zwang. Da ist es ja eher verpönt zu sagen: Für diese Line habe ich richtig „fighten“ müssen. Alles muss locker und easy ablaufen. Ohne „flow“ geht gar nichts. Wenn man beim Freeriden aber auf einem 6000 Meter hohen Berg steht und vor einem geht es mit 55° bergab, kommt jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit kein „flow“ auf, man muss sich aufs Äußerste konzentrieren, kämpfen. Dann, wenn man etwas Glück und natürlich das nötige Können hat, sollte alles funktionieren. Wenn man es aus dieser Sicht betrachtet, ist das Freeriden nicht so weit weg vom Wettkampfsport. Es kommt also immer auf die Perspektive an.
Gäbe es keine Wettkämpfe und keine olympischen Spiele, wäre auch das Ridinglevel besonders im Snowboarden noch lange nicht so hoch wie jetzt. Am deutlichsten sieht man das alle vier Jahre in der Halfpipe. Jedes Mal vor den Spielen wird das Niveau enorm in die Höhe geschraubt. Vor vier Jahren gab es die 1080s in der Pipe. Vorher konnte es sich keiner vorstellen, die dort zu stehen. Dieses Jahr sind es die sog. Doublecorks (zweifache Drehungen über Kopf, kombiniert mit Drehungen um die Körperlängsachse mit 1080 oder 1260°). Somit ergänzen sich diese zwei Welten des Snowboardens eigentlich recht gut und die Snowboardwelt, besonders in Deutschland, täte gut daran, die Augen zu öffnen und einander zuzuschauen.
Könnte Ihr beim Boardbau Wünsche einfließen lassen, sind das spezielle Boards?
Konsti: Ja, das sind mittlerweile alles spezielle Boards. Ein extra Shape mit komplett schwarzem Rennbelag, die ich extra in Handarbeit gefertigt bekomme. Normale Serienbretter können leider nicht mehr mithalten und selbst von den Spezialbrettern kommen nicht alle gleich. Dieses Jahr habe ich mit 12 Brettern angefangen und nur noch die schnellsten drei kommen in den Weltcups zum Einsatz. Das ist alles ein unglaublicher Aufwand und dafür möchte ich Salomon herzlich danken.
Ein guter Snowboardtag ist für Dich…?
Hansi: Der perfekte Powderhang mindestens 100 Kilometer lang, Sonnenschein und viele Freunde um mich herum, danach bei meiner Familie am Ofen sitzen und ein Bier trinken…Oder aber einer meiner Athleten auf dem Podium (dann war ich jedoch nicht viel beim Fahren)
Konsti: Ein frischer Powdertag am Spitzing mit meinen Buddies und die Autobahn aus München ist zu, so dass die ganzen Touris erst später kommen.
Könnt Ihr nach den SBX-Rennen noch in Vancouver bleiben und die Kollegen in der Halfpipe und beim Parallel-Riesenslalom anfeuern?
Hansi: Wir können bis 21. 2. im Olympischen Dorf bleiben. Danach bekomm die PGS Mannschaft unsere Zimmer. Halfpipe können wir anschauen und den Chrisophe Schmid 17./18.2. hoffentlich ins Finale schreien. Die PGS Rennen sind erst am 26./27.2., da können wir leider nicht mehr dabei sein.
Danke Euch und natürlich die besten Wünsche für Olympia!!
Snowboard Mannschaft Vancouver 2010
HALFPIPE: Christophe Schmidt
BORDERCROSS: David Speiser, Konstantin Schad
PGS: Amelie Kober, Isabella Laböck, Selina Jörg, Anke Karsten, Patrick Bussler

















