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08.01.2010

Longboarding to Copenhagen - PUSH THE CHANGE

Unter dem Motto "Push the change - auf vier Rollen zur Klimakonferenz" machte sich eine Longboarding-Crew von Flensburg auf nach Kopenhagen. Trotz einigen RĂŒckschlĂ€gen und EnttĂ€uschungen wie der Ausgang der Konferenz gab es tolle, kuriose und lustige Begegnungen - Die Push the Change Longboarding Crew berichtet...

Longboarding - der Weg ist das Ziel

Longboarding - der Weg ist das Ziel

ein Longboard kommt selten allein

ein Longboard kommt selten allein

auch Lamas stehen 'drauf

auch Lamas stehen 'drauf

Gruppenfoto der Longboarding Tour nach Kopenhagen

Gruppenfoto der Longboarding Tour nach Kopenhagen

 

Longboarding Bilder - Push the Change

Tag 1

Es ist zehn Uhr morgens, wir stehen alle etwas verschlafen vor dem Caramba Skateshop in Flensburg, bereit zu unserem Longboarding Trip. Die Boarder und ich sind abfahrbereit, aber keine Spur von den FahrrĂ€dern, die das GepĂ€ck transportieren. Nach einem kurzen Anruf ist klar: Die Abfahrt verzögert sich, es gibt Probleme mit den AnhĂ€ngern. Wir ĂŒberbrĂŒcken die Zeit mit letzten Materialchecks und einem kleinen Plausch mit der Presse.

Skateboarding Videos

Gegen elf Uhr, nach einem letzten Gruppenfoto, geht es auf die erste der vier Etappen, an deren Ende Kopenhagen auf uns wartet. Die Stimmung ist gut, auch wenn sich auf den Gesichtern eine leichte Anspannung bemerkbar macht. Die Straßen sind feucht und das Wetter sieht unbestĂ€ndig aus, trotzdem kommen wir so gut voran, dass wir schon bei "Annie's Kiosk" an den Ochseninseln eine kleine Pause fĂŒr den besten HotDog der Gegend einlegen. Danach geht es weiter nach Sonderburg, wo Nicolai noch eine Wohnungsbesichtigung vor sich hat, wĂ€hrend der Rest von uns bei Daves Freundin Tee, Kekse und eine große Portion Nudeln genießt. Gerne wĂ€ren wir im Warmen sitzen geblieben, aber wir hatten noch ca. 20km durch die Dunkelheit vor uns, das Ziel heißt: Fynshav. Dort angekommen erwarten uns ein sehr verspielter Hund, ein Wohnzimmer, in dem wir schlafen dĂŒrfen und ein schönes Bier. Wir sind froh, die erste Etappe geschafft zu haben.

Tag 2

Am nĂ€chsten Tag frĂŒhstĂŒcken wir entspannt auf der FĂ€hre nach FĂŒnen und besprechen die Tagesroute nach Nyborg. Die Stimmung ist entspannt, was sich allerdings im Laufe des Tages Ă€ndern sollte. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und frischem Wind, der meist von vorn oder von der Seite kommt, mĂŒssen wir feststellen, dass FĂŒnen wesentlich hĂŒgeliger ist, als wir dachten. Die schlechten Fahrradwege und Straßen verbessern die Situation nicht gerade. Als Matthis Fahrrad einen Platten hat, fahren die Boarder nach kurzer Beratung weiter, wir Radfahrer machen uns an die Reparatur.

Als wir am nĂ€chsten Checkpoint ankommen, erwarten uns dort nur zwei von vier Boardern, die anderen Beiden sind  anscheinend zwischendurch falsch abgebogen, finden aber nach ca. 20 Minuten wieder zu uns. Der Zustand der Radwege wird immer schlechter, wir kommen teilweise nur in Schrittgeschwindigkeit voran und langsam wird klar, dass wir unser Tagesziel nicht erreichen können. Die Entscheidung, in Ringe die Nacht zu verbringen und erst am nĂ€chsten Tag nach Nyborg weiterzufahren, fĂ€llt uns allen sehr schwer, niemand will wirklich aufgeben. In der Stadt angekommen, suchen wir zunĂ€chst einen Couchsurfer, der uns angeboten hatte, bei ihm zu ĂŒbernachten, aber nach einem Telefonat wird klar: Auf FĂŒnen gibt es zwei Orte namens Ringe und er wohnt nicht in "unserem Ringe", also mieten wir uns fĂŒr eine Nacht in einem Hostel ein, wo wir uns mit sieben Leuten ein Vierbettzimmer teilen.

Tag 3

Der dritte Tag beginnt wie der Erste: wir sind fest entschlossen, die verlorene Zeit wieder wettzumachen und schaffen es in unter drei Stunden von Ringe nach Nyborg, wo wir den Zug ĂŒber den Großen Belt nehmen mĂŒssen. Wir haben uns entschlossen, bis Ringsted durchzufahren, um am nĂ€chsten Tag auf jeden Fall pĂŒnktlich um 12 Uhr in Roskilde zu sein, wo wir fĂŒr die letzten Kilometer nach Kopenhagen noch ein paar Begleiter erwarteten. Wir kauften also die Tickets, fragten den Herrn am Schalter noch, ob die FahrradanhĂ€nger ein Problem sein könnten. Seine Antwort: "No problem!"

Erleichtert und mit Tickets ausgestattet begaben wir uns auf den Bahnsteig und warteten auf den Zug. Als dieser dann vor uns anhielt und wir einsteigen wollten, hielt uns der Zugbegleiter mit den Worten "No trailers!" vom Einsteigen ab. Auf die Frage, ob wir die AnhĂ€nger auseinanderbauen könnten, um mitzufahren, erhielten wir die Antwort, dass kein Zug uns mit AnhĂ€ngern (demontiert oder nicht) mitnehmen wĂŒrde - "It's a matter of security, you won't get over the bridge with these, sorry." Das Entsetzen stand uns ins Gesicht geschrieben: Wie sollten wir die Tour ohne das GepĂ€ck abschließen? Wir entschieden uns, trotz allem das GepĂ€ck zu verteilen und die AnhĂ€nger als zusammengefaltete "Fotozelte" zu bezeichnen. Der nĂ€chste Zug kam, mit ihm ein neuer Zugbegleiter und eine Frage: "Do you have a reservation for these bikes? You will need a reservation, otherwise you cannot board the train." Der Herr am Schalter hatte zwar das Gegenteil behauptet, aber wir waren ja inzwischen Kummer gewohnt. Dieser Zug fuhr also auch ohne uns ĂŒber den Belt, aber den nĂ€chsten konnten wir endlich nehmen.

In Ringsted angekommen, kochten wir auf dem Bahnhofsvorplatz in Ruhe eine Suppe und suchten einen WLAN-Hotspot, um eine Schlafmöglichkeit in Roskilde zu organisieren. Nach sehr schnellen 30km durch die Dunkelheit fanden wir zunÀchst eine nette Bar, in der wir uns bei einem Bier mit netten DÀnen unterhielten, die die Idee der Tour wirklich "crazy" fanden. Geschlafen haben wir dann im Wohnzimmer von Elisabeth, einer alleinerziehenden Mutter, die uns spontan mit den Worten "Bei sieben Jungs können ja nicht alle Psychopathen sein" aufgenommen hat. Eine wirklich tolle Einstellung!

Tag 4

Der letzte Tag der Tour begann damit, dass wir erstmals ausschlafen konnten. Der Etappenstart war fĂŒr 12 Uhr angesetzt, wir hofften, dass sich uns noch ein paar lokale Boarder anschließen wĂŒrden, was leider nicht der Fall war. Wahrscheinlich war der Regen daran schuld, unsere Stimmung konnte er allerdings nicht trĂŒben. Die letzten 30km nach Kopenhagen liefen wie von selbst, allerdings war die Landschaft nicht mehr so interessant wie an den vorangegangenen Tagen. Hatten wir vorher manchmal noch das GefĂŒhl, die einzigen Menschen in der jeweiligen Gegend zu sein, dachte man jetzt, man sei schon lĂ€ngst in der Stadt angekommen. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit erreichten wir unser Ziel, den Skatepark in Kopenhagen. Endlich warme GetrĂ€nke, eine Dusche und viele Gleichgesinnte zum Erfahrungsaustausch. Nach ca. einer Stunde im Park machte ich mich auf den Weg zum Bahnhof, der Zug nach Flensburg wĂŒrde nicht warten.

Trotz einiger RĂŒckschlĂ€ge, zu denen definitiv auch der Ausgang der Klimakonferenz zĂ€hlt, haben wir alle viel von dieser Tour mitgenommen. Es war die erste, aber definitiv nicht die letzte Longboarding Langstreckentour fĂŒr uns und wir freuen uns auf das nĂ€chste Mal. An dieser Stelle möchten wir nochmals allen Menschen danken, die an uns geglaubt und uns unterstĂŒtzt haben, denn ohne RĂŒckendeckung wĂ€re diese Tour wohl nicht so glatt gelaufen. Auch die Sponsoren (caramba Skateshop Flensburg, Loaded, orangatang, DVS, Lakai, Matrix, TSG, longboardshop, Playboard Magazine, freestylepictures.de, Bioladen Denke in Hannover) haben ihren Teil dazu beigetragen, dass wir unser Ziel erreicht haben.

Bis zur nÀchsten Tour!

Kategorie: Skateboarding

Von: +++ Ruben M. HollÀnder | Nils Knoop +++